„Der Cöllerthaler Wald – früher und heute“

Gleich zwei Referenten hatte die Seniorenvereinigung eingeladen, um Heimatkunde auf hohem Niveau zu betreiben. Vorstandsmitglied Josef Müller begrüßte Diplom-Forstwirt Jörn Wallacher und den „Urwaldförster“ Winfried Lappel, die durch Vermittlung von Hans-Georg Müller zum Vortrag angereist waren. Jörn Wallacher, der „Förster vom Pfaffenkopf“, versprach gleich zu Beginn eine „Heimatkundestunde für Erwachsene“. Er begann mit einem eindrucksvollen Blick ins Köllertal, gefolgt von einem großformatigen Foto des gesamten Waldgebietes, das schon im 16. Jh. kartographiert worden war. In diesem „gewarnten“ Waldgebiet – so kommt die Bezeichnung „Warndt“ zustande – gab es sogar Wildpferde. Die Gemarkungsnamen „Rösselwies“ und „Hengstwald“ leiten sich möglicherweise davon ab. Der reiche Wildbestand lockte den jagdfreudigen Adel und führte zum Bau von Jagdschlössern wie Philipsborn, heute Forsthaus Neuhaus. Der Referent zeigte in alten Stichen, wie die Jagd ablief. Die Waldordnung war überaus streng. Holzhandel wurde flussabwärts bis nach Holland betrieben. Der Raubbau führte zu einer Verarmung der Bevölkerung; Auswanderung war die Folge, bis die Steinkohle neue wirtschaftliche Grundlagen sicherte. In unserer Region entstanden Waldgruben wie etwa Von der Heydt. Jörn Wallacher berichtete über die soziale Lage der Bergleute und die Entstehung von Arbeitersiedlungen. Bilder von der liebevollen Restaurierung der Gebäude in Von der Heydt rundeten den historischen Teil des Vortrages geschickt ab. Der Wald, so schloss der Referent, kehrt zurück, die Natur überwuchert die Zivilisation. Der Wald hat eine neue Funktion übernommen: Er ist zu einem Ort der Erholung geworden. Fast schade, dass die Heimatkundestunde zu Ende war!

Winfried Lappel berichtete über den aktuellen Zustand des saarländischen Waldes, dessen Aufbau weitgehend nach wirtschaftlichen Notwendigkeiten historisch bestimmt ist. Drei Viertel des Baumbestandes sind Laubbäume, weit mehr als im Bundesdurchschnitt; er litt im Hitzesommer 2019 ganz besonders. Hart betroffen ist der Bestand an Eschen, der durch Pilzbefall bis zu 60 Prozent verliert. Ein anderes Sorgenkind ist die Fichte. Das Niederschlagsdefizit lässt große Mengen Totholz entstehen. In anschaulichen Schaubildern zeigte Winfried Lappel die fortschreitende Schädigung des Waldes. Doch ließ der Referent die Zuhörer nicht hoffnungslos zurück: Er stellte eine Vielzahl von Maßnahmen vor, die in einer Art Masterplan die Zukunft der saarländischen Wälder sichern sollte, seien sie staatlich, kommunal oder privat. Josef Müller blieb abschließend die Aufgabe, sich für die informativen und kurzweiligen Vorträge zu bedanken. (ek)

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