Ein „unbekannter Heiliger“ bei der SVP

Nach einer ferienbedingt langen Pause fanden sich die „Senioren“ besonders zahlreich auf der Ritterstraße ein, galt es doch, der heiteren Fastenpredigt von Hans-Georg Müller zu folgen und anschließend bei eingelegten Heringen und leicht verspätet die Fastenzeit zu beginnen. „Ein unbekannter Heiliger“ hatte Pastor Müller seinen Vortrag überschrieben. Es gebe sage und schreibe 1628 Heilige, allein 428 davon habe der besonders fleißige Papst Johannes Paul II zu den Ehren der Altäre erhoben. Der Referent zitierte aus einem Brief , den der Theologe Professor Seitz an den Vatikan gerichtet hat. Er fragte an, ob man dort etwas von einem heiligen Cucina wisse, der in Bayern allenthalben verehrt wird. Die Antwort war enttäuschend: es gebe keinerlei Unterlagen über einen Heiligen dieses Namens.

Professor Seitz forschte fleißig weiter und kam rasch zu der Ansicht, dass man diesen Heiligen zu Unrecht lange Zeit versteckt gehalten hat, vielleicht, weil er leiblichen Genüssen durchaus zugetan war. Nicht umsonst war er der Patron der Köche, Bauern und Winzer. Dargestellt wird er häufig im Mönchsgewand, bereichert allerdings durch einen Kochlöffel und nicht selten mit einem Weinglas in der Hand. St. Cucina gilt als Erfinder der Gemüsesuppe Minestrone, mit der er besondere Heilungserfolge erzielt haben soll; deshalb wird er noch heute bei Magen-, Darm- und Leberleiden angerufen. Als Gedenktag gilt das Erntedankfest. Hans-Georg Müller trug Anekdoten aus dem Leben des Heiligen vor. So sollte der fromme Bruder Barolo auf kochende Milch aufpassen, die sich zu dessen Erstaunen „wunderbar“ vermehrte, als sie überkochte. Der heilige Cucina ist auch der Erfinder der vor allem in Bayern bekannten Zwiebeltürme, krönte er doch das unvollendete Modell einer Kirche spontan mit zwei Zwiebeln. Der merkwürdige Heilige, vom Teufel auf garstige Weise in Versuchung geführt, spießte ihn auf eine Gabel, schleppte ihn in ein Fastfood-Restaurant, presste ihn in zwei welke Salatblätter und eine schwammige Semmel; so wurde der McDevil-Burger erfunden. Noch aus dem Grab heraus verhinderte er das Anbrennen von Koteletten. So konnten sie gerettet und verspeist werden. Die abgenagten Knochen sollen als Reliquien in alle Welt verkauft worden sein. Wie ein Feuerwerk brannte der Referent zahlreiche Anekdoten ab.

Das Leben vieler Heiliger liegt im Dunkeln. Warum soll nicht auch eines so wichtigen Patrons gedacht werden? Die päpstliche Kongregation für die Heiligsprechung ist der Beschäftigung mit Bruder Cucina nicht abgeneigt, und schließlich habe Therese von Avila gesagt: „Gott ist auch in den Kochtöpfen zu Hause.“ Was gebe es Schöneres, so schloss Hans-Georg Müller, als liebe Menschen zu bekochen und dankte damit dem fleißigen und einfallsreichen Küchenteam. Und mancher der vielen Zuhörer mag bei sich gewünscht haben, eine solche Predigt öfter zu hören. Der Dank des Vorsitzenden Rudolf Müller war allen aus dem Herzen gesprochen. (ek)