Einwanderer im Köllertal -alles schon mal dagewesen

Der Vortrag von Norbert EMANUEL befasste sich mit dem (immer) aktuellen Thema der Migration. Die Motivation ist vielfältig: wirtschaftliche, religiöse, politische, berufliche oder persönliche Gründe spielen hier eine Rolle.

Der Referent lud seine Zuhörer auf eine kleine Zeitreise ein:

Zu den beiden Weltkriegen, die viel Leid über uns gebracht haben, waren Vertreibungen und Massenflucht eine Konsequenz – und wie gingen wir mit unseren Landsleuten um? Waren sie immer bei uns „willkommen“?

Ein weiterer Abschnitt waren „Krieg 70“ und die Industrialisierung – Eisenerz und Kohle. Um 1910 war Völklingen die drittreichste Stadt im „Reich“! Alles schon mal dagewesen? Man denke heute an Öl, seltene Erden usw…

Ein tiefen Einschnitt hinterließ der 30jährige Krieg. Im „großen Landverderben“ finden sich alle unschönen Eigenarten des menschlichen Wesens: Hexenverbrennungen, Mord und Totschlag. Etwas „besser weg“ kam der Nährstand (Müller, Winzer), geplündert wurde zwar gleichermaßen von Siegern und Besiegten, aber man hatte „Reserven“.

Zurück in die „Neuzeit“: In den 60er Jahren rollten die ersten „Gastarbeiterzüge“ an.

Ein oft zitiertes Beispiel für gelungene Migration sind die Hugenotten im 17./18. Jahrhundert, obwohl sie französisch sprachen – das war aber auch die Amtssprache am Hof. Im Folgenden stellte EMANUEL einige Einwandererfamilien im Köllertal (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) vor:

BALDAUF in Püttlingen: im Ursprung aus Sulzberg in Vorarlberg. Diese Familie betrieb 2 Mühlen in Püttlingen – die Alt- und die Neumühle. Der Müller Johann BALDAUF heiratete um 1720 zu Püttlingen in die begüterte Müllerfamilie BOMMERSBACH.

HEISEL in Püttlingen: Die Familie kommt aus Kauns. Zum Stammvater – Lukas HEISEL – heißt es „ein Maurer aus Tirol“. Er lässt sich 1720 in Püttlingen nieder und nimmt am Wiederaufbau der dortigen Kirche teil.

SANDER: Diese Familie leitet ihren Namen vom Vornamen Alexander ab und schreibt sich manchmal auch ZANDER. Es waren zwei Brüder: Thomas in Heusweiler und Johannes in Walpershofen. Die sehr ähnlichen Handzeichen weisen auf die Verwandtschaft hin. Die Heusweiler SANDER sind katholisch, die Nachkommen des Walpershofener Steinmetzen überwiegend evangelisch.

BICKELMANN: Johann BICKELMANN bewirtschaftet seit 1709 die Köllner Mühle und erbaut 1715 die Neumühle bei Dilsburg. Er stammt aus Enzendorf im Frankenland und heiratet um 1700 zu Knorscheid in die begüterte Müllerdynastie BAUER.

Der Referent stellte die Auswandererthematik aus heutiger Sicht mit heutigen Begrifflichkeiten dar und musste (leider) feststellen: Alles schon mal dagewesen – aber viel schlimmer: Wird es auch so weitergehen?

Einige launige Karikaturen rundeten einen interessanten, aber auch nachdenklichen Abend ab. <NE>