Rita Waschbüsch bei der Seniorenvereinigung Püttlingen: Wie gleich sind Männer und Frauen?

Unter den hochkarätigen Referenten der Seniorenvereinigung nimmt Rita Waschbüsch eine besondere Stellung ein, war sie doch schon in jungen Jahren Ministerin sowie Vizepräsidentin des Landtages, und auch im organisierten Katholizismus war sie erfolgreich tätig. Auf all dies wies der Vorsitzende Rudolf Müller in seiner herzlichen Begrüßung hin.

Die Referentin zeigte sich überrascht über die große Zahl der Zuhörerinnen und Zuhörer und stellte belustigt fest, dass die Damen deutlich in der Mehrheit sind. Sie wolle sich nicht nur auf die letzten hundert Jahre beschränken, sondern sich die Frage stellen: Wo kommen wir her? Tatsächlich begann Rita Waschbüsch mit der Genesis: Mann UND Frau seien nach Gottes Ebenbild geschaffen. Das Bild von „Adams Rippe“ sei orientalische Erzählkunst. Die gesamte Schöpfung sei Adam UND Eva anvertraut worden. Im Neuen Testament sei Jesus mit Frauen ganz anders umgegangen, als es in seiner orientalischen Umgebung üblich gewesen sei: Frauen als erste Zeuginnen der Auferstehung, Frauen, die seinen Leidensweg begleitet hätten.

Im frühen Christentum sei den Frauen eine besondere Bedeutung zugekommen; deshalb sei für gebildete Römerinnen das Christentum anziehend gewesen. Allerdings habe sich dann hellenistisches Denken von der männlichen Überlegenheit auf die christliche Lehre ausgewirkt, beispielsweise auf Augustinus und Thomas von Aquin. In der Profangeschichte habe die französische Revolution von „fraternité“, also Brüderlichkeit, gesprochen, die „Schwesterlichkeit“ sei ignoriert worden. Zwar habe der demokratische Aufbruch 1848 die Frauen selbstbewusster gemacht, aber Päpste wie Leo XIII und Pius XI hätten ein sehr rückständiges Frauenbild gepredigt. Erst im II. Vatikanischen Konzil sei die Würde der Frau verdeutlicht worden. Die Kirchen hätten hier eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung nachvollzogen.

Rita Waschbüsch vollzog dann wieder einen Bogen zur weltlichen Geschichte. Die positive Entwicklung der Weimarer Republik sei in der Nazi-Herrschaft wieder rückgängig gemacht worden. Durch Krieg und Nachkriegszeit hätten die Frauen mit ihrem verantwortlichen Einsatz wie selbstverständlich größere Bedeutung gewonnen. Das Grundgesetz – mehrheitlich von Männern verfasst – habe dem Rechnung getragen. Aber auch heute noch gebe es Benachteiligungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Es sei höchste Zeit, die Lebensleistungen der Frauen auch im Rentensystem zu berücksichtigen, auch wenn es inzwischen deutliche Verbesserungen gegeben habe.

Ein sympathisches Plädoyer für sinnvolle Gleichberechtigung und Ablehnung merkwürdiger Auswüchse beschlossen den Vortrag. Der Vorsitzende Rudolf Müller konnte sich dann auch im Namen der vielen Gäste für einen gleichermaßen unterhaltsamen und herausfordernden Nachmittag bedanken. (ek)

weitere Fotos von Olaf Reeck