Das Thema „Wein“ in der Bibel

Mehr als ein unterhaltsamer Nachmittag bei der „Seniorenvereinigung“:

Pastor Hans-Georg Müller, Mitglied des Vereins, war mit diesem vielversprechenden Vortrag Referent bei der „Seniorenvereinigung Püttlingen“. Mit humorvollen Zitaten führte er in das Thema ein, etwa mit dem boshaften Zitat von Mark Twain, der deutsche Wein unterscheide sich vom Essig lediglich durch das Etikett.

Nicht vier Kapitel wollte Hans-Georg Müller vortragen, sondern dem Anspruch angemessen hatte er vier Pokale mit einer Cuvée gefüllt. Neben dem Wasser und der Muttermilch sei wohl der Wein das älteste Getränk der Welt. Schon in der Antike sei man sich der doppelten Wirkung des Weins bewusst gewesen, einmal als Freudenspender, zum andern als Rauschmittel. Wein, dessen Zubereitung bei weitem nicht so perfektioniert gewesen sei wie in jüngerer Zeit, sei damals ausschließlich Rotwein gewesen und der Vergleich mit Blut naheliegend. Weil die Wasserqualität so schlecht war, habe man oft Wein zugemischt, mal mit Honig gesüßt, mal mit Harz haltbar gemacht. Augenzwinkernd meinte Pastor Müller, man müsse sich das antike Getränk als „kalten Glühwein“ vorstellen.

Im Alten Testament habe man den Wein als Gottesgabe gesehen, nicht umsonst habe Noah nach der Sintflut als erstes einen Weinberg gepflanzt. Im Buch der Richter wird, wie in vielen andern Büchern der Bibel, auf die Wohltaten des Weines hingewiesen. Quer durch alle Texte spiele der Wein eine Rolle. Mit Zitaten aus dem „Buch der Sprüche“ wurde aber deutlich, dass man sich der Risiken des Weinkonsums durchaus bewusst war. Und bei Jesus Sirach lässt sich lesen: „Auch beim Wein spiele nicht den starken Mann! Schon viele hat der Rebensaft zu Fall gebracht.“

Im Neuen Testament, dem dritten Pokal, spiele der Wein eine vielleicht noch bedeutendere Rolle. Die zahlreichen Gleichnisse belegen, dass Kenntnisse des Weinbaus als selbstverständlich vorausgesetzt waren. Mit ziemlicher Sicherheit habe auch Jesus Wein getrunken, sonst sei das Wunder auf der Hochzeit von Kana nicht geschehen. Höhepunkt der Wertschätzung sei die Verwendung des Weins beim Abendmahl. Es sei bedauerlich, meinte Pastor Müller, dass gerade die Bewertung des Abendmahls die christlichen Konfessionen trenne.

Auch durch die Bibel habe der Wein die „Weihe der Altäre“ erlangt. Die Weinberge der Klöster seien Leuchttürme der Kultur gewesen, angelegt von Mönchen, die den Wein über die Alpen gebracht hätten. In mühsamer Arbeit seien kunstvolle Terrassen angelegt worden, deren Früchte wir heute noch genießen können. Nicht umsonst tragen viele Namen von edlen Lagen religiöse Namen, etwa „Liebfrauenberg“ oder „Kapellengarten“. Man trinke sich zu mit „Prosit“ (= Es möge nützen) oder „Santé“ (= Gesundheit). Nur man möge ihn, ein Seitenhieb auf die neue Rechtschreibung, in „Maßen“ und nicht in „Massen“ zu sich nehmen. In der Kirche, schloss Pastor Müller lächelnd, würde er jetzt „Amen“ sagen, hier aber sei „Prost“ angebracht.

Es war ein selten unterhaltsamer, zugleich informativer Nachmittag bei der Seniorenvereinigung Püttlingen, der den vielen zugleich nachdenklichen und belustigten Zuhörern Gelegenheit zum Schmunzeln und Grübeln gab. Der Vorsitzende Rudolf Müller brauchte abschließend nur noch dies dankend zum Ausdruck zu bringen.

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