„Festtag“ bei der Seniorenvereinigung Püttlingen: Rudolf Müller spricht zum Thema „50 Jahre Stadt Püttlingen“

Eine stattliche Zahl von Mitgliedern und Gästen hatte sich auf der Ritterstraße eingefunden, um das Referat des Altbürgermeisters zu hören. Josef Müller begrüßte die Zuhörerinnen und Zuhörer, aber ganz besonders den Vorsitzenden der Seniorenvereinigung Püttlingen, diesmal als Referent des Abends.

Rudolf Müller erinnerte zunächst an die große Begeisterung, die 1968 in der Gemeinde herrschte. Die Geschichte der Stadt Püttlingen sei ein Abbild vieler Gemeinden: anfangs landwirtschaftlich orientiert, später durch den Bergbau geprägt und schließlich durch kluge Politik zur Wohnstadt mit besonderem Charakter geworden. Hier nannte der Altbürgermeister den Bau der Klinik, die Einrichtung der Musikschule und die Förderung des Nahverkehrs durch den Stadtbus.

Schon vor der Gebietsreform habe der Zwang zu interkommunaler Zusammenarbeit bestanden. Das erste Projekt war die gemeinsame Planung des Trimmtreffs Viktoria. Heute stellt sich die Frage der Zusammenarbeit etwa innerhalb der Köllertalgemeinden neu. Die verordnete Kooperation in Form des Stadt- bzw. Regionalverbandes hingegen habe Püttlingen ebenso wie andere Kommunen des Umlandes finanziell erheblich belastet. Der Entmündigung der Stadt durch die Wegnahme der Flächennutzungsplanung habe man im „Püttlinger Urteil“ vor dem Verfassungsgericht widersprechen können. Den Verkauf der Stadtwerke bezeichnete Müller auch aus heutiger Sicht als notwendig, um die drohende Überschuldung abzuwenden.

Wichtig war es für Müller, auch auf die bedeutenden Töchter und Söhne der Stadt hinzuweisen. So sei man besonders stolz darauf, dass Josef Kardinal Maurer, der erste Ehrenbürger, an der Festveranstaltung teilgenommen habe. Die ehemalige Bundestagsabgeordnete und spätere Ministerpräsidentin des Saarlandes und jetzige Generalsekretärin der CDU Annegret Kramp-Karrenbauer habe dem Stadtrat Püttlingen 22 Jahre angehört, davon acht Jahre als Beigeordnete. Erwähnung verdiene auch Jo Leinen, der bereits seit 1999 Abgeordneter des Europaparlaments und dort in vielen Funktionen tätig ist. Auch Gerd Meyer, fünf Legislaturperioden Abgeordneter im Saarländischen Landtag, habe als Geschäftsführer der Saarland-Sporttoto GmbH und als Präsident des Saarländischen Landessportverbandes bei der Umsetzung des Sportstättenkonzepts für Püttlingen und im sportlichen Leben eine wichtige Rolle gespielt. Auch bei der Einrichtung der Erwerbslosenselbsthilfe und der Künstlerinitiative Köllertal, diesmal mit Georg Fox, sei er Mitinitiator gewesen.

Wesentlicher Teil des Vortrages war die Einbindung des Heimatbegriffes, verstanden nicht nur als geografisches, sondern auch als soziokulturelles Umfeld, das sich in „weichen Faktoren“ darstelle: Kirchen und Vereine, Bildungs- und Betreuungsangebote, eine funktionierende Infrastruktur bis hin zu den Friedhöfen seien identitätsstiftend für die heimatliche Verbundenheit mit einer Kommune. Heimat beinhalte auch den nachhaltigen Umgang mit der Natur und der Umwelt. In diesem Zusammenhang kritisierte der Altbürgermeister die unsensible Aufstellung der Windräder nahe dem Jungenwald und dem Stadtteil Rittenhofen. Auch von Versäumnissen müsse gesprochen werden; so sei ein zumutbarer Anschluss an das Autobahnnetz Richtung A 1 und A 620 bis heute nicht verwirklicht, ausgenommen das Mittelstück in Form der Umgehungsstraße. Das so wichtige Vereinsleben sei durch Nachwuchsprobleme gefährdet, die wachsende Mobilität könne auch zur Entfremdung werden. Man brauche positives Denken und Gestalten im gemeinsamen Entwicklungsraum des Köllertales, um dies als Chance zu begreifen.

In einer kurzen Würdigung nannte Erich Keller das Referat einen „Festvortrag“. Er erinnerte an 4 Jahrzehnte, in denen er Rudolf Müller in unterschiedlichen Funktionen kennengelernt habe. Norbert Emanuel berichtete über seine positiven Erfahrungen mit dem ehemaligen Bürgermeister und überreichte im Namen der Seniorenvereinigung ein Präsent als Dank für das außergewöhnliche Engagement.

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